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BCFC zwitschert:

The Blues in Europe: 1958-1960

Die Luftpumpe von Köln und "Keep Right On" in Müngersdorf: Die Blues zu Gast in Deutschland

Ein Junge pumt einen Fußball auf
(Jerzy Sawluk /www.pixelio.de)

Auch die zweite Auflage des Messtädte-Pokals ging über mehrere Spielzeiten und wurde von April 1958 bis Mai 1960 ausgetragen. Ohne Gruppenphase wie noch beim Wettbewerb zuvor ging es direkt ab der 1. Runde im K.O.-System zur Sache.

 

In dieser 1. Runde kam es zum ersten und bis heute (leider) einzigen Vergleich der Blues mit einer deutschen Mannschaft. Die Stadtauswahl Köln - de facto der 1. FC Köln - stellte sich dem Vergleich mit den Engländern.

 

Das Hinspiel fand am 14. Oktober 1958 im Müngersdorfer Stadion in Köln statt. Und das mit einem neuen Mann auf der Blues-Trainerbank. Nach einem mäßigen Start in die neue Saison 1958/59 wurde Trainer Arthur Turner nach knapp vier Jahren als Manager der Blues Ende September durch Pat Beasley ersetzt.

 

Im Gegensatz zu ihren Gästen waren die Kölner um Hans Schäfer, Georg Stollenwerk und Hans Sturm in guter Form. Bereits nach zwölf Minuten lagen die Geißböcke durch die Treffer von Franz Brungs und Hans Pfeiffer mit 2:0 vorne. In der Halbzeit forderten die Gäste vom Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst, der im Jahr 1966 mit dem "berühmtesten Tor aller Zeiten" noch Geschichte schreiben sollte, eine Überprüfung des Balles. Gerüchteweise hatten die Kölner den Ball nicht ganz so hart aufgepumpt, um die an knallharte Bälle gewohnten Engländer zu verwirren. Mit Hilfe einer Fahrradumpe wurde dieser erst einmal vernünftig aufgepumpt. Also der Ball, nicht Dienst...;-)

 

Und siehe da, schon klappte es. Neal und Hooper sorgten in Halbzeit Zwei für den Ausgleich der Blues und den 2:2-Endstand.

 

Auswärtsfans bei Europapokalspielen sorgten Ende der 50er Jahr noch für Aufsehen in den Stadien. So auch die rund 50 englischen Soldaten der Royal Air Force, die in Deutschland stationiert waren und an diesem Tag aus der 12 Kilometer entfernten Kaserne nach Müngersdorf fuhren. Und das mit einem bepinselten Bettlaken im Gepäck und "Keep Right On" auf den Lippen. Zum Dank gab es Freikarten, die der Birmingham-Vorstand springen ließ.

 

14.10.1958: Stadtauswahl Köln - Blues 2:2 (2:0)

Köln: Ewert, Stollenwerk, Wagner, Schwier, Breuer, Dorner, Brungs, Sturm, Habig, Schäfer, Pfeiffer.
Blues: Merrick, Hall, Green, Watts, Sissons, Neal (1), Hooper (1), Gordon, Brown, Orritt, Murphy.

Zuschauer: 12.000


Das Rückspiel: Georg Stollenwerk konnte nicht mitspielen...

Zwei Fußballer und zwei Schiedsrichter beim Wimpeltausch vor dem Anpfiff
Hans Schäfer (re., Foto: 1. FC Köln)

Das Rückspiel fand am 11.11.1958 in Birmingham statt. Dieses in der Karnevalshochburg Köln "heilige" Datum war aber nicht der Grund, warum der Kölner Georg Stollenwerk die Reise nach England nicht antrat. Er musste ganz einfach arbeiten. Während sich der Profifußball auf der Insel längst durchgesetzt hatte, spielten die Deutschen noch für "Appel und Ei" und 5 Mark in der Woche. Da auch Hans Schäfer, Josef Röhrig und Fritz Breuer nicht spielen konnten, hatten die Blues relativ leichtes Spiel und setzten sich dank der Treffer von Bunny Larkin und Brian Taylor vor 20.000 Zuschauern im St. Andrew's mit 2:0 (0:0) durch. Das Viertelfinale war erreicht.

 

11.11.1958: Blues - Stadtauswahl Köln 2:0 (0:0)

Blues: Merrick, Hall, Allen, Watts, Smith, Neal, Hooper, Gordon, Brown, Larkin (1), Taylor (1).
Köln: Ewert, Kessler, Schnellinger, Schwier, Schumacher, Mühlenbock, Habig, Sturm, Lorenz, Dörner, Fendel.

Zuschauer: 20.266

 

Treffen mit alten Bekannten

Bunny Larkin
Bunny Larkin (Foto: www.bcfc.com)

Dort trafen die Blues sechs Monate später auf alte Bekannte. Wie schon im vorangegangenen Wettbewerb hieß der Gegner Zagreb.

 

Mit Platz 9 hatte Birmingham die erste Saison unter Pat Beasley 1958/59  ordentlich abgeschlossen. Am 6. Mai 1959 erfolgte die Saisonzugabe im Messepokal. Im Hinspiel in Birmingham kam es erstmals zu einem Torwartwechsel bei den Blues. In allen Eurospielen zuvor hütete der legendäre Gil Merrick das Tor der Blauen, nun läutete Johnny Schofield eine neue Zeit ein. Mit dem einzigen Tor des Tages sorgte Bunny Larkin für den knappen 1:0 (1:0)-Sieg über die Kroaten, seinerzeit noch Jugoslawien.

 

06.05.1959: Blues - Dinamo Zagreb 1:0 (1:0)

Blues: Schofield, Farmer, Allen, Watts, Sissons, Neal, Hooper, Gordon, Stubbs, Larkin (1), Taylor.
Zagreb: Irovic, Sikic, Koscak, Santek, Gaspert, Berusik, Liposinovic, Conc, Dvornic, Matus, Lackovic.

Zuschauer: 21.411

 

Die Zeit bis zum Rückpsiel in Zagreb am 24. Mai 1959 verbrachten die Blues mit einem "Saisonabschluss- und Trainings-Lager" in der Schweiz, wo nacheinander Luzern, Biel und Schaffhausen in Freundschafts-Kicks besiegt werden konnten.

 

Das Rückspiel im heißblütigen Zagreb entwickelte sich zu einem Krimi. Bunny Larkin (2) und Harry Hooper sorgten mit Ihren Treffern bei zwei Gegentoren für eine knappe 3:2-Führung der "Königsblauen". Trevor Smith wude des Feldes verwiesen. Drei Minuten vor Schluss schoss Zagreb den Ausgleich, doch zu mehr sollte es nicht mehr reichen. Birmingham stand im Halbfinale des Messestädte-Pokals.

 

24.05.1959: Dinamo Zagreb - Blues 3:3 ( : )

Zabgreb: Irovic, Sikic, Markovic, Santek, Gaspert, Jukic, Liposinovic, Conc, Dvornic, Matus, Perusic.
Blues: Schofield, Farmer, Allen, Watts, Smith, Neal, Astall, Gordon, Stubbs, Larkin (2), Hooper (1).

Zuschauer: 50.000


Profis gegen Freizeit-Fußballer

Fußballspieler auf einer Auswechselbank
Die Auswechselbank in Belgien (Foto: www.bcfc.com).

Die Halbfinal-Spiele gegen Union St. Gilloise aus Belgiens Hauptstadt Brüssel fanden erst im Oktober 1959 statt. Da lief die Saison 1959/60 bereits seit einigen Wochen. Und dies alles andere als gut für die Blauen. Als die Kicker aus Belgien am 7. Oktober 1959 ihre Gäste aus Birmingham in Brüssel zum Hinspiel begrüßten, läuteten bei den Blues als Vorletzter der Divison 1 heftig die Alarmglocken.

 

Dennoch gingen die Engländer als Favorit ins Spiel, wenngleich die Erfolge von St. Gilloise in den Runden zuvor, als man Leipzig und den AS Rom aus dem Wettbewerb kegelte, aufhorchen ließen. Der reaktivierte Keeper Gil Merrick musste sogar zweimal hinter sich greifen, doch die Tore von Harry Hooper, Johnny Gordon, Brian Taylor und James Barrett sicherten den beruhigenden 4:2-Auswärtserfolg bei den Amateuren aus Belgien.

 

Dieses Spiel war nun wirklich das allerletzte von Gil Merrick im Trikot der Blues. 551 Ligaspiele für die Blues unterstreichen den Status, den Gil Merrick in Birmingham genoss.

 

07.10.1959: Union St. Gilloise - Blues 2:4 ( : )

St. Gilloise: De Corte, Diricx, Van Rooy, Masset, Claes, Close, Janssens, Van De Weyer, Mertens, Van Den Berg, Van Cauwelaert.
Blues: Merrick, Sissons, Farmer, Watts, Smith, Neal, Hooper (1), Gordon (1), Orritt (1), Barrett (1), Taylor.

Zuschauer: 20.000 

 

Zum Rückspiel am 11. November 1959 reisten die Gäste als Tabellenführer der belgischen Liga in die Midlands an. Dennoch machte Birmingham City schnell alles klar. Und das, obwohl sich Brian Taylor bereits nach zwölf Minuten das Bein brach. Später verletzte sich auch noch Jim Barrett, so dass die Blues das Spiel mit neun Spielern beendeten.

 

Vor 14.000 Zuschauern entwickelte sich ein legendäres Spiel im Nebel, das kurz vor dem Abbruch stand. Wie schon im Hinspiel behielten die Blues mit 4:2 die Oberhand. Sehr fraglich, ob die Zuschauer die vier Tore von Gordon (2), Larkin und Hooper überhaupt gesehen haben.

 

Am Ende war es aber auch egal. Denn Birmingham City stand als erster britischer Verein überhaupt in einem europäischen Pokalfinale.

 

11.11.1959: Blues - Union St. Gilloise 4:2 ( : )

Blues: Schofield, Farmer, Allen, Watts, Smith, Larkin (1), Hellawell, Barrett, Gordon (2), Hooper (1, pen), Taylor.
Union St. Gilloise: De Corte, Diricx, Van Rooy, Masset, Claes, Depauw, Van Den Berg, Van De Weyer, Langlet, Mertens, Janssens.

Zuschauer: 14.152


Finale im Nou Camp: Die 4-Pfund-Prämie verpasst

Das Stadion Camp Nou in Barcelona
Camp Nou, Barcelona (Foto: www.stadionseite.de)

Zwei Jahre nach dem unglücklichen Halbfinal-Aus gegen den FC Barcelona trafen die Blues im Finale des Messestädte-Pokals wieder auf die Katalanen.

 

Als Vorletzter der First Division immer noch in akuter Abstiegsgefahr, gingen die Engländer beim Hinspiel am 29. März 1960 im heimischen St. Andrew's als Außenseiter in das Spiel gegen den Tabellenführer der spanischen Liga. 40.000 Zuschauer sahen eine ausgezeichnete Defensivleistung der Boys in Blue, die letztendlich zu einem 0:0 gegen die Katalanen führte.

 

29.03.1960: Blues - CF Barcelona 0:0

Blues: Schofield, Farmer, Allen, Watts, Smith, Neal, Astall, Gordon, Weston, Orritt, Hooper.
Barcelona: Ramallets, Olivella, Gracia, Segarra, Rodriguez, Gensana, Coll, Kocsis, Martinez, Ribelles, Villaverde.

Zuschauer: 40.524

 

Erleichtert, den Klassenerhalt am Ende der Saison 1959/60 doch noch geschafft zu haben, trat Birmingham die Reise zum Rückspiel nach Barcelona an. Dort trafen die Blauen am 4. Mai 1960 auf einen höchst angefressenen Gastgeber. Denn die hatten wenige Tage zuvor das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister - diese "Doppelbelegung" zweier Europapokalwettbewerbe war damals möglich - deutlich gegen den alten Erzfeind Real Madrid verloren.

 

Und diesen Frust bekamen die Jungs aus Birmingham ab. Mit 4:1 (2:0) wurden die Blues vor 75.000 Zuschauern aus dem NouCamp gefegt. Der 1:4-Ehrentreffer durch Harry Hooper fiel erst in der 83. Minute.

 

Hier noch zwei Zahlen aus der damaligen Zeit, die heute aufhorchen lassen. Für den Titelgewinn hätten die Kicker aus Birmingham eine Prämie von 4 Pfund pro Mann erhalten. Die Barca-Spieler freuten sich über eine Siegprämie von 215 Pfund pro Spieler, für damalige Verhältnisse eine stolze Summe.

 

04.05.1960: CF Barcelona - Blues 4:1 (2:0)

Barcelona: Armlets, Olivella, Gracia, Verges, Rofri, Segerra, Coll, Ribelles, Martinez, Kubala, Czibor.
Blues: Schofield, Farmer, Allen, Watts, Smith, Neal, Astall, Gordon, Weston, Murphy, Hooper (1).

Zuschauer: 75.000